Tango - der Tanz
Zum zweitenmal innerhalb des 20. Jahrhunderts schafft der Tango den Sprung aus Südamerika nach Europa. Nach Beendigung der Militärdiktatur in Argentinien absorbiert die Tangomusik Einflüsse des Jazz und blüht unter Namen wie Juan José Mossalini und Astor Piazzola als "Tango Nuevo" auf.
Er hatte nicht nur in Paris überlebt ("El Exilio de Gardel"), unterschwellig existierte er in den Herzen der Argentinier immer weiter, und all die alten Musiker und Tänzer (vor allem Juan Carlos Copes, Gloria & Eduardo Arquimbaud) trugen zur Renaissance des Tango bei.
Die junge Tänzergeneration schöpft aus dem reichen Erfahrungsschatz der älteren Stars, auch heute noch die glänzenden Vorbilder. Unvergessen das Idol, die Seele der Argentinier, Carlos Gardel. Drei Stilrichtungen innerhalb des Tango-Argentino lassen sich schon allein aufgrund der rhythmischen Gegebenheiten unterscheiden:
- Milonga ( der alte Gauchotanz vom Rio de la Plata )
- Tango
- Vals ( der "Walzer" Südamerikas, Tango im 3/4-Takt auch Vals cruzado oder Vals criollo );
Im Mittelpunkt des Tanzes steht die Beziehung der Partner. Anders als die Stilisierung des Werbens in der Rumba kann Tango auch vielschichtige, andere Gefühlsinhalte vermitteln, wie z.B. den Kampf der Geschlechter, bedeuten. Das Rollenspiel wird bei jedem Tanz neu definiert.
Im Gegensatz zum standardisierten Tango ist der Rhythmus der tänzerischen Aktionen nicht festgelegt, sondern jeder Schritt, jede Aktion kann schnell oder langsam ausgeführt werden, je nach Intention, innerer Stimmungslage oder musikalischer Inspiration. Dadurch ist jeder Tango ein Unikat, ein einmaliges Kunstwerk, immer spontanes Ereignis, neu improvisiert.
Um die Terminologie der Malerei zu verwenden:
Tango Argentino ist purer Impressionismus. Erst nach dem Hören der Musik kann ich reagieren, meine Schritte, Aktionen und Führungs-Impulse ( Markierungen ) ausführen. Im Gegensatz zum reinen Expressionismus einer Lebensfreude versprühenden Samba oder der Selbstdarstellung einer Rumba ist der Tango Argentino immer verhalten und introvertiert, melancholisch. Die Milonga hingegen ist die fröhliche Variante.
Tango Argentino ... ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz, Geschichte ( selbst ein eigener Tango-Slang, der "Lunfardo", hat sich im Laufe der Zeit entwickelt ), Philosophie, soziale Erfahrung, Selbstfindung und Meditation. Und vor allem in erster Linie ein gesellschaftliches Ereignis.



